Meine erste Tablet-Stunde

Als Steve Jobs im Januar 2010 das erste iPad vorstellte, war mir sofort klar, welches Potential Tablets für den Unterricht haben können. Von diesem Zeitpunkt an träumte ich von einem Klassensatz Tablets, überlegte mir oft, wie ich dieses oder jenes Thema mit Tablets gestalten würde, wohlwissend, dass ich den Einsatz solcher Geräte während meiner aktiven Dienstzeit nicht mehr erleben würde. Doch jetzt hat sich mein Traum erfüllt – im letzten Schuljahr  vor meiner Pensionierung. Die Tablets sind angekommen, das WLAN funktioniert bestens.

Es kann also losgehen!

Schon bei den Vorbereitungen mache ich mir Gedanken, obwohl ich das Thema  „Introducing yourself“ schon seit Jahrzehnten immer in der ersten Englischstunde einer neuer Klasse behandle. Wie setze ich das Tablet ein, mit welchen Apps arbeite ich, mit welchen Apps kommt die Klasse am besten zurecht??? Ich entscheide mich für den Book-Creator und bereite ein Arbeitsblatt mit den genauen Arbeitsanleitungen inkl. Screenshots vor. Laut Klassenliste besteht die Klasse aus 28 Schülerinnen und Schüler – 24 davon mit Migrationshintergrund. es wird also eine interessante Vorstellungsrunde werden. Jeder hat zur Aufgabe, eine Karte seines Heimatlandes einzufügen, den Heimatort zu markieren, einige englische Sätze über das Land zu schreiben  und dann mit dem Aufnahmetool drei Begrüßungssätze in seiner Landessprache aufzunehmen. Unter die Aufnahme soll  die englische Übersetzung getippt werden.

Die Klasse macht sich sofort an die Arbeit. Auf meinen Hinweis, dass man bei Google keine Bilder klauen darf, entgegnen sie: „Aber das wissen wir schon – das haben wir bereits in Büromanagement gelernt!“ Es freut mich, dass der Kollege schon gute Vorarbeit geleistet hat. Konzentriert machen sich alle an die Arbeit. Ab und zu fragen mich einige nach unbekannten Wörtern, andere versuchen sich mit dem Google Translator oder mit Leo. Es klingelt zur Hofpause. Gerade als ich aus dem Klassenzimmer gehen möchte,  wird mir eine Frage gestellt, die ich in meiner fast 40jährigen Dienstzeit noch nie gehört habe: „Dürfen wir in der Pause weiter daran arbeiten?“

In der nächsten Stunde arbeiten alle  an ihren eBooks weiter und zeigen mir dann stolz ihre Werke.